PERSPEKTIVEN · PRAXIS · VERÄNDERUNG

Die Macht der Selbstwirksamkeit

10.09.2026 | Selbstwirksamkeit

Sascha Kohler bei einem Gespräch im Freien

NOTIZEN ZUR PRAXIS

Gedanken über Klarheit, Zusammenarbeit und Veränderung.

Sascha Kohler
Schwertberg, OÖ

Manche Situationen fühlen sich an, als hätten andere Menschen, äußere Umstände oder alte Gewohnheiten längst entschieden, was möglich ist. Selbstwirksamkeit setzt genau dort an: bei der Erfahrung, dass das eigene Handeln einen Unterschied machen kann.

Selbstwirksamkeit bedeutet nicht, alles kontrollieren zu können. Sie bedeutet, den eigenen Einfluss wieder wahrzunehmen.

Was Selbstwirksamkeit von Selbstvertrauen unterscheidet

Selbstvertrauen beschreibt häufig ein allgemeines Gefühl gegenüber der eigenen Person. Selbstwirksamkeit ist konkreter. Sie zeigt sich in der Überzeugung: Ich kann in dieser Situation etwas tun, lernen oder verändern.

Diese Überzeugung muss nicht laut sein. Oft beginnt sie mit einem nüchternen Satz: Ich kenne noch nicht den ganzen Weg, aber ich kann den nächsten Schritt gehen.

Vier Quellen, aus denen Wirksamkeit wächst

1. Eigene Erfahrungen

Nichts stärkt Selbstwirksamkeit so sehr wie eine Aufgabe, die wir tatsächlich bewältigt haben. Entscheidend ist dabei nicht die Größe des Erfolgs, sondern dass wir unseren eigenen Anteil daran erkennen.

2. Beobachtung anderer

Wenn Menschen mit ähnlichen Voraussetzungen einen Weg finden, erweitert das unseren inneren Möglichkeitsraum. Aus dem Gedanken Das kann ich nicht wird vielleicht zunächst: Offenbar kann man es lernen.

3. Ermutigung und Resonanz

Ein glaubwürdiger Zuspruch kann helfen, Fähigkeiten wahrzunehmen, die im eigenen Blickfeld gerade verschwunden sind. Gute Ermutigung redet Schwierigkeiten nicht klein, sondern erinnert an vorhandene Ressourcen.

4. Der Umgang mit Anspannung

Stress wird leicht als Beweis fehlender Kompetenz interpretiert. Dabei kann Anspannung ebenso bedeuten, dass uns etwas wichtig ist. Wer lernt, körperliche Reaktionen einzuordnen, gewinnt Handlungsspielraum zurück.

Warum kleine Schritte so wirksam sind

Große Ziele erzeugen häufig große innere Widerstände. Ein kleiner, klarer Schritt liefert dagegen eine konkrete Erfahrung: Ich habe begonnen. Genau diese Erfahrung kann wichtiger sein als ein perfekter Plan.

  • Formuliere den nächsten Schritt so klein, dass du ihn heute ausführen kannst.
  • Halte anschließend fest, was du selbst dazu beigetragen hast.
  • Entscheide erst danach über den nächsten Schritt.

Eine kurze Übung für den Alltag

Wähle eine Situation, in der du dich derzeit wenig wirksam fühlst. Teile ein Blatt in drei Bereiche:

  1. Nicht beeinflussbar: Was liegt tatsächlich außerhalb deiner Kontrolle?
  2. Indirekt beeinflussbar: Wo kannst du ein Gespräch anstoßen, Informationen einholen oder Unterstützung organisieren?
  3. Direkt beeinflussbar: Welche konkrete Handlung liegt heute bei dir?

Die Übung löst nicht automatisch das gesamte Problem. Sie trennt jedoch Ohnmacht von Verantwortung und macht sichtbar, wo Bewegung möglich ist.

Die Verbindung zur KLARE-Methode

Auch in der KLARE-Methode beginnt Veränderung mit Klarheit: Was ist gerade wirklich der Fall? Lebendigkeit und Ausrichtung verbinden diese Erkenntnis anschließend mit persönlichen Ressourcen und einem sinnvollen Ziel. Realisierung übersetzt das Ziel in Handlung. Entfaltung entsteht, wenn aus einzelnen Schritten eine neue Erfahrung der eigenen Möglichkeiten wird.

Wirksamkeit muss nicht spektakulär sein

Selbstwirksamkeit zeigt sich nicht nur in großen Entscheidungen. Sie entsteht auch dann, wenn wir ein schwieriges Gespräch vorbereiten, eine Grenze benennen, um Hilfe bitten oder eine Aufgabe erneut versuchen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht immer: Wie löse ich alles? Häufig reicht zunächst: Was kann ich als Nächstes bewusst tun?

Der nächste machbare Schritt ist klein genug, um begonnen zu werden – und groß genug, um eine neue Erfahrung zu ermöglichen.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Beobachte in den kommenden Tagen eine Situation, in der dein Handeln Wirkung zeigt. Halte nicht nur das Ergebnis fest, sondern auch die Fähigkeit, die du eingesetzt hast. Auf diese Weise wird aus einem einzelnen Erfolg allmählich eine verlässliche innere Erfahrung.

WEITERDENKEN

Weitere Impulse und Perspektiven.

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